Vom Namen allgemein

Im vorhergehenden Beitrag befassten wir uns mit den ‚sagenhaften’ Ursprüngen unseres Heimatortes Schönenberg. Was die Anfänge unseres Dorfes betrifft, so verdient der Ortsname ebenfalls besonderer Aufmerksamkeit.

Unsere Welt ist ein Ganzes, das aus zahllosen Teilen besteht. Mit der Benennung des Einzelnen wird die Welt erst begreifbar. So kommt es nicht von ungefähr, dass Gott zu Beginn seines Schöpfungswerkes der Zeit des Lichtes und der der Finsternis die Namen Tag und Nacht gab. Das war das allererste sichtbare Zeichen eines göttlichen Ordnungsprinzips. Es steht ganz am Anfang vor Erschaffung allen Lebens oder aller Dinge, welche die Erde trägt, sie umgibt oder in sich birgt.

„Nomen atque omen“, meinte bereits der römische Lustspieldichter Plautus (lebte von 254-184 v.Chr.). Damit wollte er wohl sagen, dass Namen mehr sind als nur Bezeichnungen für Menschen, Tiere, Pflanzen und Gegenstände. Mit der Namengebung für einen bestimmten Menschen verbinden sich vielfach Hoffnungen für dessen Leben. 

Sie können aber neben anderem auch auf dessen Lebensart, Abstammung oder Heimat verweisen. Ob Sache oder Mensch, sie werden zumeist nach ihrer Verwendbarkeit, ihrem Aussehen oder einer sonstigen Eigenschaft, die sie besonders auszeichnet, benannt. Für Plautus ist daher ein Name mehr als nur ein Name. Er ist für ihn darüber hinaus der Ausdruck eines hoffungsvollen Wunsches (omen) für den zukünftigen Lebensweg eines Menschen. Ein stolzer Vater mag seine Tochter ‚Bella’ (die Schöne) nennen. Ob ‚Bella’ dem Anspruch ihres Namens stets genügen wird, ist eine andere Sache.

Wenn ein Römer seinen Sohn ‚Felix’ (der Glückliche), ein Germane seinen Sohn ‚Siegbert’ (durch Siege berühmt) nannte, so war hiermit Hoffnung und Wunsch an ein gütiges Schicksal für die Betreffenden verbunden. Ob der Felix nun wirklich stets ein Glücklicher war, oder der Siegbert berühmt wegen der Vielzahl seiner siegreich geführten Schlachten wurde, das mag deren Lebensgeschichte aufzeigen.

 

Von den Ortsnamen

Sicher wird sich der geneigte Leser hier fragen, was das denn mit dem Namen Schönenberg zu tun haben soll. Er fragt vordergründig zu Recht. Bei der Schwierigkeit des in der Folge zu behandelnden Themas ist es aber gewiss von Nutzen, sich ein paar Gedanken über Namenbildungen gemacht zu haben. Mit den Personennamen haben wir uns bereits befasst. Aus der Vielzahl der Sachnamen steht hier nun der Ortsname zur Diskussion.

Der preußische König Friedrich der Große (1740-1786) nannte sein Prachtschloss in Potsdam mit dem französischen Namen ‚Sanssouci’ (Sorgenfrei). Mit seinem Namen ist dieses Schloss als ein ganz bestimmtes erkennbar. Gleichzeitig begleitet König Friedrichs Bau mit dem ihm gegebenen Namen der Wunsch, in ihm sorgenfrei leben zu können. Das ist das, was Plautus meint, wenn er vom Namen spricht. Altenheime werden häufig mit „Haus Abendfrieden“ oder anderen Namen, die Ruhe, und Stille zum Ausdruck bringen, benannt. Auch hier ist der Name Wunsch und Hoffnung (omen).

Nach diesen Einschätzungen bietet es sich nun förmlich an, den Ursprung des Ortsnamens Schönenberg in einer wie vorauf beschriebenen Denkweise zu suchen.

Bei dem Namen Schönenberg mögen die Erstsiedler von dem im Waldtal steil aufragenden Berg so angetan gewesen sein, dass sie der Bezeichnung ‚Berg’ ein ‚schön’ beifügten und so den Ortsnamen prägten. Nach einer Version der Schönenberger Ortssage ruft der Ritter Dietrich von Herrenbröl nach seiner Heimkehr aus dem Morgenlande beim Anblick des Berges voller Entzücken: „Welch schöner Berg!“ 

Der nüchtern Denkende fragt sich schlicht, warum der 2 km entfernt wohnende Dietrich so überwältigt von einer Landschaft ist, die er jahrelang, tagaus, tagein, gesehen hat. Ein Ausruf wie: „Jetzt bin ich endlich zu Hause!“ wäre doch da wohl eher vorstellbar.

Mit dieser scherzhaften Einlassung soll dargetan werden, dass mit einer Sage bezüglich historischer Gegebenheiten kein Staat zu machen ist. 

Aber auch eine Verbindung des Bergwortes mit ‚schön’ im Sinne von ‚ansehnlich anzuschauen’ gibt nicht viel her. Dem Namen fehlt es doch sehr an Eindeutigkeit. Im Vergleich zu den vielen Bergen im Bergischen stellt unser Schönenberg keine Besonderheit dar. Dennoch beharrt die Fachwissenschaft bezüglich des Namens Schönenberg ausschließlich auf ‚schön’ im vorgenannten Sinne. 

Fehldeutungen u. a. von Ortsnamen erfolgen zumeist dadurch, dass die namengebenden Begriffe sich nicht mehr im Wortschatz der aktuell gesprochenen Sprache befinden. So ist das Attribut ‚schön’ in Ortsnamen auf verschiedene Wortwurzeln von unterschiedlicher Bedeutung zurück zu führen. Hiermit befasst sich die Namenkunde (Onomastik). 

Zum Bestimmungswort ‚schön’ finden sich in der Hauptsache zwei verschiedene Deutungsmöglichkeiten:

1. Bei den Namen in Verbindung mit –stein (Burg, Schloss) -statt, -stätt, -stedt (Siedlungen), handelt es sich um mittelhochdeutsche Namen mit der Bedeutung, wie wir sie bei unserem heutigen Wort ‚schön’ kennen.

2. In einer weiteren Gruppe bildet ‚schön’ Ergänzungen zu Gewässernamen, die in unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr vorkommen. In Orts- und Flurnamen lassen sie sich aber noch nachweisen. Hier hat ‚schön’ in der Hauptsache Bedeutungen wie Sumpf, sumpfig, Moor. Einige Beispiele hierzu: ‚Schönenbruch’ (s.u.), ‚Schönborn’ (Sumpfquelle), Schönbach’, (sumpfiger Bach), Schönfeld’ (nasser Acker)‚ ‚Schönwald’ ,(Sumpfwald), ,Schönach’ (sumpfiger Bach). ‚Schönrath’ bezeichnet die Rodung in einem Sumpfgebiet. Im Namen Schönenbruch steckt der Sumpfbegriff sogar doppelt. Das könnte darauf hinweisen, dass in Unkenntnis der Bedeutung von schön nachfolgende Siedler den Namen schön (Sumpf) übernahmen und das westmitteldeutsche bruch (Sumpf) hinzufügten. Eine solche Wortbildung bezeichnet die Fachwissenschaft als tautologisch. Umgangssprachlich darf man aber auch „doppelt gemoppelt“ anstelle dieses Fachausdrucks verwenden. Das sehr verbreitete Gewässerwort ‚schön’ lässt sich aus einem germanischen *s’cun, *s’con u. ä. erschließen. Gewässernamen mit gleicher Bedeutung finden wir auch ohne den S-Anlaut: Hünfeld,Hünscheid, Hänscheid, HonsbachHoensbroich (tautologisch) und viele andere mehr. Diese Namen lassen sich eindeutig als germanisch definieren, da sie der 1. germanischen Lautverschiebung (5. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. v. Chr.) unterlagen. Altes (indo)germanisches ‚k’ wurde zum Hauchlaut ‚h’ verschoben.

Dass schön älter sein muss als bruch, erkennen wir zudem an dem S-Anlaut. Dieser Vorgang der Erweiterung mit einem ‚S’ ist im Germanischen wie auch noch im Frühfränkischen festzustellen. Im Althochdeutschen (belegt ab dem 8. Jahrhundert) ist diese Entwicklung bereits abgeschlossen.

Der Name Schönenberg

Die Probe aufs Exempel für unser Schönenberg wäre nun, eine Eigenschaft unseres Schönenberges herauszufinden, den er mit vielen anderen gleichnamigen Bergen teilt. Als Ergebnis unserer Aufstellung stellten wir ja fest: Das Wort ‚schön’ kommt bei der Bezeichnung von Orts- und Flurnamen in zwei unterschiedlichen Bedeutungen vor. Allgemein sei dazu gesagt, dass bei den rodenden Landnehmern des Mittelalters im Hinblick auf die Benennung ihres Siedlungsplatzes immer schon das Sachliche und Fachliche mehr im Vordergrund stand als das Lyrische. Eigenschaften wie „hoch“, „steil“, „felsig“, „Lage im Sumpf“ oder „am Bach“ sind daher am meisten in unseren Bergnamen vertreten. Die unter Nr. 1. vorgelegte Deutung kann man deshalb ziemlich sicher ausschließen, wenn sie auch von der Fachwissenschaft favorisiert wird. Erstmalig genannt wird Schönenberg in Verbindung mit der Magdalenenkapelle in einer Urkunde des Grafen Johann von Berg vom Jahre 1512. Hier heißt es u.a.: „...so es in unnsem kirspell van Ropetraide es eynen berge just schonenberg eyns capelle gelegen die vur zyden in ere sent Marien magdalenens angefangen und gewyet worden ist.“ Übersetzt: „…in unserem Kirchspiel von Ruppichteroth gibt es einen Berg, das ist der Schönenberg, auf dem eine Kapelle gelegen, die vor Zeiten zu Ehren der hl. Maria Magdalena begonnen und geweiht worden ist.” Bemerkenswert ist hierzu, dass die Urkunde den Berg Schönenberg als den Ort bezeichnet, wo sich die Kapelle befindet. Daraus kann man schließen, dass es zu dieser Zeit noch kein Dorf Schönenberg gab. Allenfalls ist an ein Gehöft zu denken.

Aus dem Bestimmungswort ‚schön’ ist hier eine Herleitung zum Gewässerwort, ohne größere  Klimmzüge machen zu müssen, möglich. In einer Schenkungsurkunde vom Jahre 1515 wird eine sumpfige Talaue genannt, die den Flurnamen „Moelen Auell“ (d.h. „Sumpfaue“) getragen hat. Sie erstreckte sich südlich des Kirchberges bis unmittelbar an dessen Fuß. In der betreffenden Urkunde heißt es dazu: „Item noch darzu ein stuck lantz genannt der Moelen Auell gegen der Capellen uber die broell beinen seinen hecken biss auf das Wasser.“ [Ferner noch dazu ein Stück Land, das Moelen Auell genannt wird. Es liegt der Kapelle gegenüber zur Bröl hin, und zwar innerhalb der Hecken (das waren Grenzzeichen) bis an das Wasser]. „Moelen“ hat hier nichts mit Mühle zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine niederdeutsche Bezeichnung für sumpfiges Land. Eine Mühle lag übrigens zwischen Schönenberg und Ahe an der Bröl. Sie kann deshalb nicht namengebend für den „Moelen Auell“ gewesen sein. Außerdem ist eine Mühle gegenüber dem Schönenberg nirgendwo belegt. Der Schönenberg heißt deshalb so, weil er sich einstmals in sumpfiger Lage befand. Damit hätten wir eine recht einleuchtende Erklärung für den Namen Schönenberg gefunden. Aber so ganz vollkommen kann unsere Freude über diese Lösung nicht sein. Bei Durchsicht der topographischen Verhältnisse stellt man nämlich fest, dass nun ganz und gar nicht alle ‚Schönenberge’ sich ausschließlich in sumpfiger Lage befinden. 

Es besteht außerdem die vage Möglichkeit, unseren Dorfnamen aus einem keltischen *cun (Kopf, Spitze, Berg) zu erschließen. Hierzu ermutigen uns u. a. Flurnamen wie Hunsrück (mehrfach in Deutschland und Holland), Hercynischer Wald (antiker Name einer Kette mitteldeutscher Waldgebirge) oder gar der Berg Kynast in Schlesien (siehe Bild oben) in einem ehemaligen Keltengebiet. Belegt ist irisch (keltisch) ceann, das den Kopf oder die Spitze bezeichnet. Unser Dorfname ist deshalb als tautologisch anzusehen. Der Schönenberg müsste hiernach ein steil aufragender Berg sein, was in der Tat der Fall ist. Diese Deutung sollte aber nur als eine rein hypothetische Konstruktion verstanden werden.

In Unkenntnis des richtigen Wortsinnes von Schönenberg, sei es der Gewässer- oder der Bergbegriff, wird hieraus später in Anlehnung an althochdt. scôni, mittelhochdt. schoene, neuhochdeutsch ‚schön’ unser Name Schönenberg entstanden sein.

Was sich anfänglich so offenkundig als ‚schön’ erwies, zeigt sich bei näherer Betrachtung mit einigen Tücken ausgestattet. Trotz aller Unsicherheiten in der Deutung dürfte der Bezug zum Gewässer- oder Bergwort nicht gänzlich von der Hand zu weisen sein. Zumindest steht er gleichberechtigt zu der fachwissenschaftlichen Ansicht, dass der Name wegen des ‚schönen Aussehens’ des Berges so gegeben wurde.

Unter Berücksichtigung aller Fakten scheint jedoch die Deutung „Berg am Sumpf“ die einleuchtendste zu sein.

Zum Schluß bleibt deshalb noch festzustellen, dass ein unzweifelhaft bedeutsamer Anfang gemacht worden ist, den Namen Schönenberg aufzuhellen. Es muss leider weiteren Forschungen überlassen bleiben, den gefundenen Weg auszubauen, um das Rätsel des Namens Schönenberg endgültig zu lösen.

(F. K.)


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